Online-Recherche

Schneller surfen lernen in zehn Minuten

Von: Marcus Lindemann

Jetzt tu’ ich es doch, ich verrate die beiden heißesten Tipps und Tricks aus meinen Online-Recherche-Seminaren. (Der übernächste Text handelt dann davon, warum Sie meine Seminare doch noch besuchen sollten ;-) )

Es gibt in der Tat diese fast schon trivialen Tricks und Kniffe bei der Internetrecherche, für die die meisten Seminarteilnehmer dankbarer sind als dafür, dass man ihnen die Nutzung des Google-Cache, von whois-Datenbanken oder die Datenbanksuche auf bundestag.de erklärt.

Das ist auch nicht verwerflich; die Seminarteilnehmer haben natürlich völlig recht mit ihrer Dankbarkeit, denn dank dieser tollen Tricks sparen sie jeden Tag Zeit und Mühe.

Hier sind sie also, die beiden Favoriten, auf dass sie Ihnen jeden Tag wertvolle Zeit einsparen mögen:

Kennen Sie das: Sie haben einen Link aus einer Suchmaschinen-Trefferliste angeklickt, die Seite öffnet sich – aber wo, verdammt noch mal, ist hier mein Suchbegriff? In fast jedem Programm gibt es einen Shortcut mit der Tastenkombination „Strg“ und „F“ (wie „finden“). In das Suchfenster, das sich darauf hin öffnet, geben Sie nun Ihren ursprünglichen Suchbegriff ein, und der Browser zeigt Ihnen Klick für Klick jede Stelle, an der der Begriff vorkommt.

(Wenn Sie meinen, das geht doch noch besser, wenn Sie bei Google gleich auf „im cache“ klicken, haben Sie zwar im Ergebnis meist recht, liegen aber methodisch ganz daneben – das ist dann doch eher ein Thema für ein Seminar…)

Sie sind auf einer großen Website und wollen diese nach einem Suchbegriff durchforsten, doch irgendwie funktioniert die Site-eigene-Suchfunktion nicht so gut? Es gibt in der Tat viele Suchfunktionen im Angebot, die nicht so funktionieren, wie man sich das wünscht. Da werden Trefferzahlen limitiert, Syntax wie die Anführungszeichen nicht zugelassen oder die Reihenfolge der Treffer erschließt sich nicht. Das kennen Sie? Dann machen Sie es doch künftig so:

Nutzen Sie eine Suchmaschine, deren Funktionsweise, Syntax und Ranking Sie kennen und schätzen! Bei Google etwa können Sie mit folgendem Befehl Ihren Suchbegriff auf jeder möglichen Domain suchen

Suchbegriff site:zu-durchsuchende-domain.de
Oder, falls Sie mal ein eindrucksvolles Beispiel testen möchten:
„not for publication“ site:.mil

(Achtung: Die Suchergebnisse werden sich in der Regel von denen einer Site-spezifischen Suche unterscheiden und mit keiner der beiden Methoden finden Sie garantiert alle möglichen Treffer, aber auch das ist wieder etwas für ….)

Ich hoffe jedenfalls, Sie sparen künftig etwas Zeit bei der Online-Suche und sind der Akademie dankbar!

15 Minuten Quellen-Check

Von: Marcus Lindemann

Wer weiß schon, was Informationen aus dem Netz wert sind? Kann man den Quellen trauen?

Viele Kollegen neigen dazu, aus Misstrauen ganz auf das Netz zu verzichten, statt die Qualität der Quellen zu betrachten und zu differenzieren. Unsereins findet das kurios, denn offline haben nahezu alle Journalisten eine Vielzahl Kriterien, anhand derer sie Quellen beurteilen - online wird dann aber doch gerne alles in einen Topf geworfen.

Wer das kritisiert, bekommt zu hören, dass doch selbst in der Wikipedia Fehler seien. So what! Selbst in der Encyclopedia Britannica gibt es Fehler, und vermutlich wurde schon in Keilschrift gelogen – Lüge und Qualität von Informationen sind keine Frage ihres Verbreitungsmediums.

Genug der Vorrede. Hier und heute soll es darum gehen kann, wie man systematisch Informationen sammelt, um - sagen wir - in 15 Minuten etwas über eine Website herauszufinden.

Der erste Eindruck: Rechtschreibfehler, Grammatik, Stil – das funktioniert bei den meisten Journalisten noch intuitiv. Wer auf einer Site nach Informationen zu Wirtschaft und Recht sucht und über Rechtschreibfehler stolpert, wird die Qualität der Information anzweifeln. Wer dagegen auf der Suche nach jugendlichen Hip-Hop-ern ist oder Kontakte in die Graffiti-Szene sucht, wird die Fehler als Zeichen von Authentizität werten. So weit, so trivial.

Der zweite Schritte. Blick ins Impressum. Eigentlich sollte das mit ein bis zwei Klicks von der Startseite aus erreichbar sein. Funktioniert das nicht oder ist der Link gut versteckt, hilft folgender Suchbefehl bei Google:
Impressum site:zu-untersuchende-Site.de

Schritt 3: Stimmen die Infos aus dem Impressum? Wer hat die Site offiziell angemeldet? Für .de-Domains kann man das bei www.denic.de schnell überprüfen, für internationale Seiten hilft meist ein whois-Dienst wie www.whois.net. Hilft das nicht, kann man bei einer zentralen Stelle für jeden Kontinent nachschlagen (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Regional_Internet_Registry).

Schritt 4: Der Bedeutung nach sollte dieser Schritt eigentlich an zweiter Stelle stehen, denn es gibt nicht allzu viele Fälle, in denen man wirklich Brisantes im whois- Eintrag findet. Spannender ist die Frage, wer auf die zu untersuchende Site verlinkt hat. Doch wie kriegt man das raus? Einfacher als man denkt. Nämlich zum Beispiel bei google so:
link:www.zu-untersuchende-Site.de

Wenn Sie nun denken, das ist doch nur Theorie und bringt Ihnen in der Praxis nichts. Dann gehen Sie die vier Punkte doch mal am Beispiel einer der beiden Domains durch:
www.martinlutherking.org oder
www.kath.net

Was Paris Hilton mit Online-Recherche zu tun hat

Von: Marcus Lindemann

Mit Journalismus, der Paris Hilton zum Thema hat, mache ich mich ja ungern gemein. Aber für Ausbildungszwecke ist alles recht. Mein persönliches Interesse an Paris Hilton begann mit dem Hinweis eines Kollegen: dem Hinweis, dass bei der Eingabe von Suchbegriffen bei Google auch deren Reihenfolge entscheidend ist.

Und tatsächlich, Google unterscheidet, ob man „Paris Hilton“ oder aber „Hilton Paris“ eingibt. Erstere Suchbegriffe führen zu der blonden Hotelerbin, letztere zum gleichnamigen Hotel in Paris. In diesem Beispiel ist der Nutzen dieser Erkenntnis trivial – denn das Hotel findet sich auch in der ersten Trefferliste. (Warum allerdings die angezeigte Zahl der gefundenen Treffer unterschiedlich ist, wissen wohl nur Insider…)

Doch mit Paris Hilton können wir noch mehr über Google lernen. Generell sollte man Personen oder andere feststehende Wortreihenfolgen nicht einfach so bei google eingeben, sondern stets in Anführungszeichen. Das reduziert die Trefferzahl von 53,7 auf 31 Millionen - immerhin.

Falls wir nicht ausschließen wollen, dass Paris nicht auch noch einen zweiten Vornamen hat, sollten wir in Anführungszeichen eingeben „Paris * Hilton“ Und siehe da, sie heißt mit zweitem Vornamen Whitney. Jetzt muss aber die Suchanfrage wie folgt lauten:
"Paris * hilton" OR "Paris Hilton"

Denn ohne die Ergänzung hinter dem OR würden jetzt nur noch 1,6 Millionen Treffer gefunden, in denen ein oder mehrere Wörter zwischen Paris und Hilton stehen.

Aber was nun? Um die Trefferzahl weiter zu reduzieren, gibt es zwei naheliegende Strategien:

Die erste ist die, Suchbegriffe, die nichts mit dem Thema zu tun haben, auszuschließen. Am besten macht man das anhand der Trefferliste – so könnten wir zum Beispiel versuchen, die Hinweise auf das Hotel in Paris auszuschließen. Da Paris aber Urenkelin des Hotelgründers ist, taucht der Begriff Hotel häufig auf Seiten auf, die zu unserem Suchbegriff gehören. Ähnlich ist es, wenn wir die Werbung für Paris’ Nacktbilder ausschließen wollen, indem wir z.B. den Filmtitel „one night in Paris“ mit einem Minuszeichen versehen:
„Paris Hilton“ -„one night in Paris“

Doch damit wäre selbst der Wikipedia-Eintrag zu Paris Hilton aus unserer Trefferliste verschwunden…

Also her mit Strategie Nummer zwei: Zusätzliche Suchbegriffe einfügen. Mit
"Paris * hilton" OR "Paris Hilton"
hatten wir übrigens das Hotel schon aus der ersten Trefferseite verdrängt – wenn man mal von den „google local“ Treffern absieht….

Auf google.com (nicht google.de) gibt es übrigens schon die erste Vorahnung der neuen „universal search“, bei der man in einem anderen Layout, Bilder, Videos, Nachrichten etc. nebeneinander angezeigt bekommen wird.

Was Google sonst noch so alles ausprobiert, unter anderem neue Navigationen für die Trefferseiten, findet man unter „google labs“ – das u.a. hinter dem „mehr“-Button zu finden ist…

Kontakt

Akademie für Publizistik Hamburg
Cremon 32
20457 Hamburg
Tel: +49 40 41 47 96 - 0
E-Mail schreiben
Lageplan / Kontakt