Engagement für Qualität im Journalismus
Annette Hillebrand leitet die Akademie für Publizistik in Hamburg
Hamburg, August 2010. „Journalisten leben wie wenig andere Menschen von und mit der Veränderung. Das ist das Spannende an unserem Beruf. Und dennoch gibt es etwas, was bleiben muss: der Anspruch auf Qualität.“ Das sagt Annette Hillebrand, Direktorin der Akademie für Publizistik. Seit April 2001 leitet die 57-Jährige die Hamburger Institution für Aus- und Weiterbildung von Journalisten. Sie macht sich so vehement für die Qualität stark, weil sie diese aktuell immer mehr in Bedrängnis sieht: „Stellenstreichungen, hoher Leistungsdruck, mehr Informationen, weniger Zeit – das sind schwierige Rahmenbedingungen für die Qualität“, meint Annette Hillebrand. Auf ihre Anregung hin gründete sich bereits 2003 der Ethikrat der Akademie – eine Anlaufstelle für Journalisten, denen bei der Arbeit moralische Bedenken kommen. Annette Hillebrand ist die erste Frau an der Spitze der Akademie für Publizistik. Geändert hat sich unter ihrer Führung vor allem dies: Mit dem neuen Konzept von Inhouse-Seminaren hat die Akademie ihre Einnahmen stetig erhöht. Die Einrichtung arbeitet deshalb heute unabhängiger als je zuvor.
Vielfältige Führungsaufgaben
Als Leiterin verantwortet Annette Hillebrand die Finanzen, das Personal und das Seminarangebot der Akademie für Publizistik. Sie akquiriert Unternehmen für die Inhouse-Seminare und entwickelt neue Geschäftsfelder. „Der Journalismus ist seit Jahren im Umbruch. Jede Entwicklung hat Auswirkungen auf unsere Arbeit“, sagt sie. „Ständig aktualisieren wir unser Programm, machen neue Angebote, ändern die Themen. Zeit und Geld werden knapp in den Redaktionen. Darauf reagieren wir mit den Inhouse-Seminaren, mit E-Learning-Phasen und kürzeren Seminarzeiten.“ Wann immer es ihre Zeit erlaubt, gibt Annette Hillebrand selbst Seminare. Ihre Lieblingsthemen aus ihrer Zeit als freie Journalistin hat sie behalten: Sie leitet die Kurse Porträtschreiben und Moderation von Veranstaltungen.
Aus dem Journalismus zur Akademie für Publizistik
Das erste Mal unterrichtete Annette Hillebrand 1989 als Dozentin an der Akademie für Publizistik. Ihre Themen damals: Interview sowie die Darstellungsformen Porträt und Reportage. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie schon umfangreiche Erfahrungen als Journalistin gesammelt. Nach ihrem Volontariat bei der Badischen Zeitung in Freiburg war sie von 1985 bis 1988 Chefin vom Dienst bei der taz Hamburg. Anschließend schrieb sie als freie Journalistin vor allem Reportagen und Porträts für Tageszeitungen und Zeitschriften, unter anderem für Stern und Brigitte. Ihr Sachbuch „Macht Arbeit Frauen wirklich glücklich?“ erschien im Jahr 1997. „Ich habe sehr gerne journalistisch gearbeitet“, erzählt Hillebrand. „Mir war es aber auch immer ein Anliegen, meine Erfahrungen und mein Können weiterzugeben.“
Seit ihrer Zeit bei der taz unterrichtete Annette Hillebrand daher in der journalistischen Aus- und Weiterbildung, zum Beispiel an der Evangelischen Medienakademie, an der Henri-Nannen-Schule, an Hochschulen und in Seminaren für Unternehmen und Verbände. Für die Vermittlung von Inhalten greift sie auf ihre Erfahrungen als Journalistin zurück. Aus ihrem Studium der Germanistik und Pädagogik weiß sie zudem, wie man Seminare konzipiert und Lernprozesse kreativ gestaltet. Von 1991 bis 1993 entwarf und moderierte sie als Studienleiterin der Evangelischen Akademie Nordelbien, Hamburg und Bad Segeberg Veranstaltungen zu Literatur und Medienthemen. Die Aufgabe als Direktorin der Akademie für Publizistik ist damit eine konsequente Weiterentwicklung ihrer beruflichen Laufbahn. „Ich habe die Akademie schon damals als Dozentin schätzen gelernt und war von der besonderen Atmosphäre in dem Haus immer wieder beeindruckt“, sagt Hillebrand. „Als Direktorin will ich diese herzliche und offene Stimmung weiter fördern.“
Lebenslanges Lernen
Annette Hillebrand glaubt, dass auch gestandene Profis noch individuelle Entfaltungspotenziale in sich tragen. Sie will die Weiterentwicklung einzelner Menschen fördern – auch die der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Lebenslanges Lernen ist Annette Hillebrand auch persönlich wichtig: Die 57-Jährige hat in den vergangenen Jahren eine Fortbildung zur systemischen Organisationsberaterin und eine Coaching-Ausbildung abgeschlossen: „Ich finde es wichtig, Neues zu lernen und selbst immer wieder in die Rolle einer Kurs-Teilnehmerin zu schlüpfen“, so Hillebrand. Davon profitieren auch die Seminare der Akademie: Annette Hillebrand kann sich gut in die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hineinversetzen. Ihre Arbeit als Dozentin gewinnt, indem sie sich auch didaktisch weiterbildet.
An ihrer Tätigkeit als Direktorin schätzt Annette Hillebrand die Vielfalt der Anforderungen und die Zusammenarbeit mit dem engagierten Akademie-Team. Für die Zukunft der Akademie und des Journalismus hat sie einen Traum: „Jeder Journalist und jede Journalistin, ob frei oder Chefin, besuchen jedes Jahr ein Seminar. Wenn Weiterbildung zur Arbeit gehört wie Lesen und Schreiben, dann haben wir eine gute Grundlage für die Qualität im Journalismus geschaffen.“

