Die Chronik
Die wichtigsten Stationen der Akademie für Publizistik von der Gründung bis heute
1968 – Erstes Treffen des Gründerkreises
Am 17. Oktober treffen sich auf Anregung des Deutschen Journalistenverbandes und der Berufsvereinigung Hamburger Journalisten erstmals die Gründer im Ratsweinkeller in Hamburg.
1970 – Gründung der Akademie und erste Seminare
Am 15. Juli gründen Hamburger Journalisten, Verlage, die Journalistenverbände der vier norddeutschen Bundesländer und der NDR die Akademie für Publizistik als eingetragenen gemeinnützigen Verein. Kurt Maschmann, früherer Lokalchef der Hamburger Morgenpost, wird ihr erster Leiter. Am Westufer der Außenalster bezieht die Akademie ihr Quartier: in einer 1872 erbauten Villa, die das Bundesvermögensamt verwaltet und nutzt. Für den Lehrbetrieb schafft die Akademie einen Tageslichtprojektor mit Leinwand und eine Tafel an.
„Neue Produktionsverfahren in Presse, Hörfunk und Fernsehen“ ist der Titel des ersten einwöchigen Weiterbildungsseminars im Oktober 1970. Die sieben Journalisten besuchen die Tagesschau sowie Zeitungs- und Zeitschriftenredaktionen in Hamburg, dazu erhalten sie „Lehrvorträge mit Aussprache“. Der erste vierwöchige Kompaktkurs für Volontäre beginnt am 16. November. Dozenten sind u. a. Hermann Meyn vom Spiegel, Lutz Böhme, Verleger von text intern, und Walter Menningen vom NDR-Fernsehen. 26 Teilnehmende werden 1970 insgesamt gezählt.
1972 – Harris-Intertype wird angeschafft
Die Akademie schafft das Redigiergerät Harris-Intertype an, um „die Absolventen praxisnah am technischen Equipment von morgen“ auszubilden. Der Vorstand der Akademie kommt zu dem Schluss, dass „Kugelschreiber, Schreibmaschine, Schere und Leimtopf“ bald ersetzt werden würden.
1976 – Herbert Weichmann wird Kuratoriumspräsident
Herbert Weichmann, der frühere erste Bürgermeister Hamburgs wird Präsident des Kuratoriums. Von 1920 bis 1930 arbeitete er als Journalist, u. a. für die Vossische Zeitung. „Ich gehe freilich davon aus, dass die Finanzen der Akademie geordnet und gesichert sind, so dass nach dieser Richtung hin für den Präsidenten des Kuratoriums keine Probleme vorliegen“, schreibt Weichmann in einem Brief und nimmt hoffnungsvoll das Präsidentenamt an. Probleme dieser Art lagen dann doch mal vor.
1980 – Einführung des Tandemprinzips
In den ersten zehn Jahren sorgt Akademie-Leiter Kurt Maschmann, unterstützt von nur einer Sekretärin, für alles – auch für den persönlichen Kontakt zu den Seminarbesuchern. In der „Morgenlage“ können die Teilnehmer – in diesem Jahr sind es 400 – ihm Kummer und Sorgen berichten. 1980 stellt die Akademie den ersten Tutor ein und begründet damit das Tandemprinzip: Von nun an übernimmt stets ein später so genannter Seminarleiter einen Kurs zusammen mit einem externen Dozenten. Die Seminarleiter und -leiterinnen bringen selbst journalistische Erfahrung mit und unterstützen mit ihrem didaktischen Know-how die Praktiker bei der Konzeption der Seminare. Die Dozenten können sich so auf die Vermittlung der Inhalte konzentrieren.
1981 – Armin Sellheim wird neuer Direktor
Der gelernte Zimmermann und studierte Jurist Armin Sellheim übernimmt die Leitung der Akademie. Von 1960 bis 1977 arbeitete er beim Spiegel, zunächst als Leiter der Personalabteilung und Justiziar, später als Leiter der Dokumentationsabteilung. 1977 übernahm er die Leitung der Personalabteilung bei der Wirtschaftswoche. Auch Sellheim sucht den direkten Kontakt zu dem journalistischen Nachwuchs: Er bittet die Volontäre regelmäßig, seine Texte kritisch zu redigieren.
1983 – Die Kurse kosten nun Geld
Bis 1983 sind alle Kurse der Akademie kostenlos. Einige Volontäre erhalten zudem einen Essenszuschuss. Ab 1983 führt die Akademie Gebühren ein: Ein vierwöchiger Kompaktkurs für Volontäre kostet nun 500 DM, das viertägige Fachseminar „Interviewtechniken“ 200 DM.
1986 – Neue Kundschaft für die Akademie
Seminare für Menschen, die außerhalb von Medienbetrieben schreiben, hat es in der Akademie schon früh gegeben – zum Beispiel für Mitarbeiter der Post. 1986 gibt es das erste große Projekt für Nicht-Journalisten: In Kooperation mit der nordelbischen Kirche schult die Akademie Pastoren, die den Gemeindebrief betreuen. Es geht um Nachrichten, Interviewtechniken, Layout und Umbruch. Bis 2003 nehmen rund 180 Pastoren und Pastorinnen daran teil.
1988 – Neuer Chef Will Teichert
Der ehemalige Leiter der Abteilung „Medienforschung und Programmplanung“ des Hessischen Rundfunks übernimmt die Leitung der Akademie. Will Teichert arbeitete zuvor als Journalist bei der Neuen Westfälischen in Bielefeld, war als Medienwissenschaftler und später als geschäftsführender Referent am Hans-Bredow-Institut tätig. Von 1982 bis 1987 forschte und lehrte er in Madagaskar, Brasilien und Chile.
1989 – Das erste Seminar zum Thema PC
Im September bietet die Akademie zum ersten Mal ein Seminar zum „Arbeiten mit dem PC“ an. Aus dem Programmtext: „Das Seminar wendet sich vorrangig an Teilnehmer, die kurz vor der Entscheidung stehen, in Zukunft mit einem PC zu arbeiten.“
1990 – Deutsche Einheit auch an der Akademie
Im Januar richtet die Akademie die erste öffentliche Veranstaltung zur „Situation der Presse in der DDR“ aus, im April die erste Medienwerkstatt Hamburg-Dresden. Eine Akademie- Dependance in der ehemaligen DDR wird erwogen, aber nicht realisiert. Stattdessen finden später Volontärskurse in Rostock statt.
1990 – Überbetriebliche Ausbildung im Volontärstarifvertrag verankert
Eine vierwöchige überbetriebliche Ausbildung wird jetzt verbindlich im Volontärstarifvertrag aufgenommen. Es kommen mehr Teilnehmer als je zuvor in die Akademie: 1990 besuchen 700 Journalisten Seminare in der Magdalenenstraße. Die Akademie realisiert insgesamt neun Volontärskurse.
1991 – Das erste Management-Seminar
Die Akademie entwickelt Seminare für künftige Führungskräfte in der Redaktion. Die werden bald ein Exportschlager – und die Akademie bietet sie auch in Österreich und der Schweiz an.
1995 – Jeden Monat ein Volontärskurs
Die Akademie vergrößert sich weiter: Erstmals findet jeden Monat ein Volontärskurs statt. Zum Team der fünf fest angestellten Seminarleiter kommen noch vier freie hinzu.
1996 – Die Akademie für Publizistik im Internet
Die Akademie betritt das Web mit „www.akadpubli.de“. Ein Jahr später wird daraus „www.akademie-fuer-publizistik.de“.
1998 – Umzug in den Mittelweg 111a
Der Bund braucht Geld. Die wertvolle Immobilie an der Außenalster, in der die Akademie seit ihrer Gründung residierte, wird verkauft. Die Akademie findet in einem Pavillon, den das Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt vermietet, eine provisorische Unterkunft. Der Lehrbetrieb geht während dieses und des nächsten Umzugs weiter.
1999 – Die Arbeit in der Warburgstraße 8-10 beginnt
Im Mai zieht die Akademie in ein Stadthaus aus der Gründerzeit im Stadtteil Rotherbaum. Über 1.000 qm werden angemietet, ca. 300 qm davon sind Seminarräume, incl. Multimedia- Raum, Hörfunk- und TV-Studio mit Regieraum. Eine Etage wird an das Hans-Bredow-Institut vermietet. Im Dachgeschoss richtet die Akademie Appartements ein, in denen einige Volontäre während ihres Kompaktkurses wohnen.
1999 – Friedrich Mielke kommt
Will Teichert wird Vorstandsvorsitzender, Friedrich Mielke übernimmt für zwei Jahre die Leitung der Akademie. Zuvor war der promovierte Anglist zwölf Jahre lang als Pressereferent des Amerika-Hauses in Hamburg tätig.
2001 – Annette Hillebrand übernimmt die Leitung der Akademie
Mit Annette Hillebrand steht erstmals eine Frau an der Spitze der Akademie. Von 1985 bis 1988 arbeitete sie als Chefin vom Dienst bei der taz Hamburg. Anschließend schrieb sie als freie Journalistin vor allem Reportagen und Porträts für Tageszeitungen und Zeitschriften. Seit ihrer Zeit bei der taz unterrichtet Annette Hillebrand in der journalistischen Aus- und Weiterbildung.
2002 – Neue Angebote in der Volontärsausbildung
Die Akademie für Publizistik bietet erstmals Kompaktkurse für Fernsehvolontäre an. Bereits im Vorjahr führte sie Kompaktkurse für Hörfunkvolontäre ein. Sie ist nun die einzige Einrichtung, die Volontäre aller Medien – Print, Hörfunk, Fernsehen – ausbildet.
2003 – Der Ethikrat wird gegründet
Mit der Gründung des Ethikrates im Juni bietet die Akademie ein Forum zur Diskussion über Zweifel an der Qualität journalistischer Arbeit. Vier Medienexperten nehmen sich seither der Fragen von Journalisten an.
2004 – Inhouse-Seminare werden ein wichtiges Geschäftsfeld
Die Akademie etabliert die Inhouse-Seminare als erfolgreiches Geschäftsmodell: Die Dozentinnen und Dozenten unterrichten dabei direkt beim Auftraggeber. Ablauf, Inhalt und Zeitrahmen des Seminars konzipiert die Akademie in Absprache mit dem Auftraggeber. Sie schult unter anderem Mitarbeiter von Lufthansa, der Handelskammer Hamburg und der Wiener Tageszeitung „Der Standard“ an ihrem Arbeitsplatz.
2006 – Das Projekt „Die Preisfrage“ beginnt
Mit der Preisfrage will die Akademie dazu anregen, über die aktuelle Situation des Journalismus nachzudenken. Die Fragen lauten unter anderem: „Was ist heute guter Journalismus?“ (2006), „Wozu noch Zeitungen?“ (2008) und „Brauchen Journalisten eine Haltung?“ (2010). Die Preise stiftet die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius. Mitglieder der Jury sind u. a. Dagmar Reim, Intendantin des RBB, und der Medienjournalist Stefan Niggemeier.
2008 – Masterstudiengang „new media journalism“
Gemeinsam mit der Leipzig School of Media gGmbH, der Schweizer Journalistenschule MAZ und dem Kuratorium für Journalistenausbildung in Salzburg bietet die Akademie seit Oktober den berufsbegleitenden Masterstudiengang „new media journalism“ an. In vier Semestern lernen Journalisten, wie sie Themen multimedial produzieren, Inhalte über verschiedene Medienkanäle vernetzen und die crossmediale Verbreitung von Nachrichten und Inhalten managen.
Die Akademie beginnt zu twittern: http://twitter.com/Akademie
2010 – Crossmediale Volontärsausbildung an der Akademie
Seit Januar bildet die Akademie für Publizistik als eine der ersten Ausbildungsinstitutionen ihre Volontäre crossmedial aus. Vom ersten Tag an lernt der journalistische Nachwuchs aus den Bereichen Print, Online, Radio und TV, für verschiedene Medien zu produzieren.
2010 – 40-jähriges Jubiläum
Im September feiert die Akademie ihr 40-jähriges Jubiläum. Seit fast zehn Jahren leitet Annette Hillebrand die Akademie mit einem Team von acht festen Mitarbeitern. Etwa 200 freie Dozenten aus der Praxis unterrichten heute an der Akademie. Mitglieder des Vereins sind Verlage, Verleger- und Journalistenverbände, private Hörfunk- und TV-Sender, Unternehmen sowie etwa 20 Einzelpersonen. Etwa drei Viertel des Budgets erwirtschaftet die Akademie heute aus Kursgeldern. Zu einem Viertel finanziert sie sich aus den Mitgliedsbeiträgen, Spenden und projektgebundenen Zuwendungen.
Im Jubiläumsjahr bietet die Akademie mit 15 Volontärskursen, 94 Fachseminaren und 50 Inhouse-Seminaren mehr Kurse an als je zuvor. Etwa 1.000 Journalistinnen und Journalisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kommen 2010 in die Akademie.

